Mittelbau Dora – Klasse 10

Am 13. November 2019 wagten wir, die Klasse 10, einen Ausflug ins Konzentrationslager Mittelbau Dora. Das Lager wurde 1943 als Außenlager des bekannten Konzentrationslagers Buchenwald gegründet und hieß erst einfach nur „Dora“. 1944 wurde das Lager dann mit 40 anderen Lagern zum „Mittelbau“ zusammengefasst und ein komplett eigener Lagerkomplex. Heute trägt es beide Namen als Zeichen, dass beide Lager einmal existierten und alle Opfer in Erinnerung bleiben sollen.

Wie in jedem Konzentrationslager mussten sich die Gefangenen körperlich anstrengender und qualvoller Arbeit unterziehen. Hauptsächlich arbeiteten sie in den Stollen des Lagers, in denen die V1 und V2 Raketen hergestellt wurden. Unter ständiger Bewachung arbeiteten sie in 12 Stunden Schichten und lebten unter gesundheitsschädlichen Umständen.

Die Lebenserwartung in den Stollen betrug nur ca. 6- 8 Wochen, die meisten Inhaftierten schafften es auch außerhalb nicht länger, viele ließen sich aus Erschöpfung bewusst umbringen, indem sie zum Beispiel verbotene Bereiche betraten.

Das Schockierendste für vermutlich alle von uns war, als uns während des Rundgangs erzählt hat, dass viel mehr Menschen mitwirkten, als die die im KZ arbeiteten. Der Bäcker, der das Brot backte, die Firmen, die die Öfen bauten, der Koch in der Küche und noch so viel mehr Menschen, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkten, waren in Wirklichkeit Bestandteil des Systems. Als wir davon erfuhren, wurde uns erst mal bewusst, wie groß und strukturiert alles durchplant war, damit alles so reibungslos funktionierte. Aussagen wie „Wir wussten davon nichts“ sind unglaubwürdig und absolut unberechtigt, da so ein Lager durch den NS-Staat zum alltäglichen Leben gehörte und alles andere als versteckt wurde. Im April 1945 lässt die SS schließlich, aufgrund der Annäherung der amerikanischen Truppen, das Lager räumen und schickt die Überlebenden auf Todesmärsche. Das bedeutet, sie mussten zu Fuß weite Strecken zurücklegen, die die Meisten aber aufgrund von Erschöpfung gar nicht überlebten. In Mittelbau Dora waren von 1943- 1945 insgesamt 60.000 Menschen inhaftiert, 20.000 von ihnen überlebten die Haft nicht. Bis März 1944 starben allein 3.000 Menschen in den Stollen.

Am Ende der dreistündigen Tour durch das Krematorium, in dem die Gefangenen erst verbrannt und ihre Asche dann den Hang hinunter gekehrt wurde, vorbei am Appellplatz auf dem sich jeden Morgen alle zur Zählung aufstellen mussten, zu den alten Baracken, durch den Bewacherbereich, von dem aber alles zerstört wurde und schließlich der Gang durch die Stollen, waren wir alle sehr erschöpft. Zu sehen, wie viel Leid MENSCHEN einander zufügen können und zu was für grausamen Verbrechen und Taten MENSCHEN in der Lage sind, mussten wir erst mal verdauen. Und auch wenn der Besuch im KZ und der ganze Ort allgemein sehr erschreckend und einschüchternd waren, ist es dennoch wichtig, dass wir uns alle mit dem Thema beschäftigen und darüber aufgeklärt sind, damit so etwas abartig schlimmes NIE wieder passiert.

– Alia Hölzer, Klasse 10-