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22.02.2024 Ein Scherben-Projekt in der Glücksburg

 
Premiere: Die 29 Schüler der achten Klassen in Römhild durften zum Projektabschluss auch selbst zum ersten Mal ihre fertigen Schalen bewundern. Sie waren im Atelier auf Schloss Glücksburg ausgestellt
Foto: Bastian Frank
 

Daniela Rust

Einen Meilenstein in der Museumspädagogik erreichten verschiedene Institutionen aus dem Landkreis gemeinsam – Fortsetzung soll folgen.

RÖMHILD Am Anfang waren Tonklumpen, eine museumspädagogische Idee und ein Handwerk, das zu Römhild gehört wie die Gleichberge. Und am Ende? Haben sich Erfahrungen und Stolz in Köpfe und Herzen gebrannt, finden sich Protagonisten aus ganz Thüringen im Römhilder Schloss Glücksburg zusammen, um ein Werk zu würdigen – und es steht da eine Ausstellung mit wundervoll leuchtenden Tonschalen in Gelb, Rot und Orange, wo sonst Skulpturen internationaler Keramikkünstler präsentiert werden.

„Scherben bringen Glück“ ist der Name eines Projektes verschiedener Institutionen mit den Achtklässlern der Römhilder Herzog-Bernhard-Schule. Wie vielschichtig und strahlkräftig das tönerne Glück sein kann, erklärten die Mitwirkenden zur Abschlussveranstaltung am Donnerstag in Römhild im Keramikatelier.

Die Projektidee und der Name entsprangen einer Sonderausstellung zum Töpferhandwerk in Römhild, die anlässlich der Firmengeschichte des Töpferhofs Gramann installiert wurde. Museumsleiterin Kerstin Schneider hatte bereits vor Jahren mit großem Erfolg ein museumspädagogisches Projekt realisiert – damals ging es um das Zimmerhandwerk in Römhild. Schon lange wollte sie daran anknüpfen, doch fehlten letztendlich die Kapazitäten. „Die Museumspädagogik liegt mir sehr am Herzen. Deshalb war ich sehr froh, dass das Museumsnetzwerk Süd gegründet wurde und uns als kleines kommunales Museum äußerst hilfreich unterstützt“, sagt sie, die in lokalen Bildungspartnerschaften einen hohen Mehrwert für alle Beteiligten sieht. Solche Projekte seien praxisorientiert, fächerübergreifend und ein wichtiger Baustein in der Berufsorientierung.

Kerstin Schneider wünscht sich eine Wiederholung von „Scherben bringen Glück“ und rennt damit bei Schulleiter Ralf Schellenberger und Julia Böhler vom Museumsnetzwerk offene Türen ein. „Wir haben hier in Römhild ein Prestigeprojekt realisiert und Erfahrungen gesammelt. So können wir mit diesem Wissen und dem sichtbaren Erfolg Ähnliches an anderen Orten unseres Wirkungskreises installieren“, sagt Julia Böhler.

Beeindruckt vom Projekt in Südthüringen zeigte sich auch Elisabeth Fuckel, Kulturagentin bei der Landesvereinigung für kulturelle Jugendbildung Thüringen e. V. in Erfurt. Sie überreichte die Thüringer Kulturzeugnisse – das sind Zertifikate, die die intensive Beschäftigung mit Kultur nachweisen und durchaus Teil einer Bewerbungsmappe sein können, erklärte die Kulturagentin.

Die 29 jungen Menschen blickten zum Abschluss am Donnerstag mit Begeisterung auf die vergangenen Monate, zeigten in einer gemeinsamen Präsentation, wie sie mit den beiden Expertinnen Manuela Friedrich und Simone Graßmann Ton und Töpferei erkundet haben, im Museum Kunstwerke untersuchten und das Projekt zum verbindenden Glied zwischen Schule und Museum, Geschichte, Tradition und Neuzeit wurde.

Römhilds Bürgermeister Heiko Bartholomäus schätzt sich glücklich, solch ein Projekt in seiner Stadt zu haben: „Daraus entsteht Heimatverbundenheit“, sagt er.

Vizelandrat und Vorstandsvorsitzender des Museumsnetzwerks Dirk Lindner unterstreicht die Bedeutung derartiger Formate: „Hier werden Identität und Kultur gefördert“, sagt er. Das seien für Gesellschaft und Region äußerst wichtige Bausteine, die es nachhaltig zu erhalten gelte.

Der Verein Museumsnetzwerk Süd e. V. versteht sich als Anlaufstelle für alle in der Region, denen die Inhalte der Museumsarbeit am Herzen liegen und die das kulturelle Leben mit Veranstaltungen und Projekten fördern, vernetzen, koordinieren und bereichern wollen. Hauptanliegen sind die Belebung und Sichtbarmachung der Diversität der kulturellen Angebote und Formate in den Museen des Landkreises Hildburghausen und darüber hinaus.

 Der „Thüringer Kulturpass“ fokussiert die Anerkennung erworbener und erweiterter Kompetenzen und unterstützt dabei Identitätsfindung und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Ihre aktive Auseinandersetzung mit der sie umgebenden Kulturlandschaft sowie die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen können durch verschiedene Anerkennungsinstrumente belegt werden. Eines dieser Instrument ist das Thüringer Kulturzeugnis. Dafür sollten Kinder und Jugendliche mindestens 20 Stunden in einem Projekt aktiv gewesen sein. „Scherben bringen Glück“ erfüllte die Voraussetzungen.